Hero-Call von Alex Foxen gegen Chidwick bei der WSOP 2026: Handanalyse

Alex Foxen macht einen mutigen Hero-Call mit einem kleinen Paar gegen Stephen Chidwick beim $250.000-Turnier der WSOP 2026. Detaillierte Analyse der Hand und der Entscheidungen der Spieler.

In der Pokerwelt gibt es nur wenige Spieler, gegen die man auf dem River besonders ungern in eine schwierige Situation geraten möchte – Stephen Chidwick gehört definitiv dazu. Genau mit ihm bekam es jedoch Alex Foxen am ersten Tag des $250.000 Super High Roller Turniers bei der World Series of Poker 2026 (WSOP 2026) zu tun. Foxen stand vor einer kniffligen Entscheidung, als er sich einer riesigen River-Bet gegenübersah – und das mit dem niedrigsten Paar auf dem Board. In diesem Artikel analysieren wir die Hand im Detail, die Entscheidungen der Spieler in jeder Phase sowie die Einschätzung des GTO Wizard Solvers zu den Aktionen beider Teilnehmer. Für die Leser der PPPoker Clubs haben wir zudem einen eigenen Abschnitt mit praxisnahen Erkenntnissen vorbereitet. Die Hand zwischen Stephen Chidwick und Alex Foxen: Startpositionen und Preflop In der Hand, die die gesamte Pokergemeinde aufhorchen ließ, lagen die Blinds bei 6.000/12.000 mit einem Ante von 12.000. Stephen Chidwick startete mit etwa 2.500.000 Chips und eröffnete aus dem Hijack mit einem Raise auf 28.000, hielt dabei A♣10♣ . Das ist ein Standard-Open-Raise, der vom GTO Wizard Solver voll unterstützt wird: Alle suited Asse gehören aus dem Hijack zum Open-Range. Alex Foxen saß mit einem Stack von 2.100.000 auf dem Cutoff und bekam A♥5♥ gedealt. Er entschied sich für einen 3-Bet auf 100.000. Der Solver merkt an, dass mit dieser Hand sowohl ein Call als auch ein 3-Bet möglich und beide Entscheidungen korrekt sind. Foxen wählte also die aggressive Linie und setzte den Gegner schon vor dem Flop unter Druck. Chidwick callt mit A♣10♣ in dieser Situation meist einfach den 3-Bet, was auch hier geschah. Der Solver bestätigt, dass dies mit suited A10 die Standardentscheidung ist, wobei gelegentlich auch ein 4-Bet möglich wäre. Flop: Die Initiative geht an Foxen Der Flop brachte K♦Q♦5♠ , was Foxen das Bottom Pair bescherte. Chidwick checkte, woraufhin Foxen eine Continuation-Bet von 57.000 in den 230.000er Pot setzte – etwa ein Viertel des Pots. Diese Bet ist typisch für Situationen, in denen der Spieler auf dem Cutoff einen Range-Vorteil behält, was ihm häufige Conti-Bets auf solchen Boards erlaubt. Der GTO Wizard Solver bevorzugt eine etwas größere Bet (etwa 40% des Pots), wenn nur eine Betgröße verwendet wird, aber die von Foxen gewählte Variante (25% des Pots) kommt ebenfalls häufig vor und ist mit A♥5♥ nahezu gleichwertig in Bezug auf den erwarteten Wert (EV). Seine Entscheidung entspricht also voll der theoretisch fundierten Strategie. Chidwick foldete trotz fehlender Verbindung zum Board nicht. Der Solver gibt an, dass mit A10s ohne zusätzliches Flushdraw ein Call bevorzugt wird, mit Backdoor-Möglichkeiten gelegentlich auch ein Raise. Chidwick callte, und der Pot wuchs auf 344.000. Turn: Die Dame auf dem Board verlangsamt das Spiel Der Turn brachte die Q♣ und damit eine zweite Dame auf das Board. Chidwick checkte erneut. Obwohl die Dame das Equity des Hijack-Ranges insgesamt stärkt, verschafft sie Chidwick keinen ausreichenden Vorteil, um jetzt selbst zu leaden. Foxen hat weiterhin einen Vorteil beim erwarteten Wert, bei der Equity-Realisierung und bei den besten Händen im Range. Foxen entschied sich ebenfalls für einen Check. Auch der Solver hält dies mit A♥5♥ für optimal: Das Bottom Pair ist nicht stark genug, um noch eine Value-Bet zu rechtfertigen, und das Doppel der Dame macht eine aggressive Linie weniger profitabel. River: Chidwick greift an, Foxen nimmt die Herausforderung an Der River brachte die 7♥ und komplettierte das Board zu K♦Q♦5♠ Q♣ 7♥ . Chidwick hatte nur noch Ace-High. Nachdem der Turn durchgecheckt wurde, setzte Chidwick eine massive Bet – 525.000 in den 344.000er Pot, also etwa 153% des Pots. Diese Betgröße nennt man "Overbet" und sie wird eingesetzt, um maximalen Druck auf den Gegner auszuüben. Bemerkenswert ist, dass dies nicht nur ein Versuch ist, den Pot ohne Showdown zu gewinnen. Der GTO Wizard Solver merkt an, dass A10s in dieser Situation ein guter Bluff-Kandidat ist, auch wenn mit genau A♣10♣ ein Check etwas profitabler wäre. Wenn man sich jedoch für einen Bluff entscheidet, ist genau diese große Overbet laut Solver die bevorzugte Variante. Wichtig zu verstehen ist, dass eine balancierte River-Strategie nicht nur das richtige Verhältnis von Value-Bets und Bluffs erfordert, sondern auch eine geschickte Verteilung dieser Hände auf verschiedene Betgrößen. Der Solver teilt Chidwicks Value-Range in zwei Hauptgruppen: Die stärksten Hände (Full Houses, Straights, Damen) werden häufiger mit einer Overbet von 153% des Pots gespielt, dünneres Value (z.B. Könige) eher mit etwa 67% des Pots. Für Bluffs eignen sich schwache suited Asse (A2s, A3s, A4s) eher für große Overbets, Hände wie JTs, J9s, T9s eher für kleinere Bets. Chidwicks Entscheidung, A♣10♣ als großen Bluff einzusetzen, entspricht somit voll der Solver-Logik, auch wenn mit dieser speziellen Kombination ein anderes Spiel leicht profitabler wäre. Foxens Hero-Call: In der Praxis stark, theoretisch fragwürdig Foxen stand mit zwei Paaren – Damen und Fünfen – vor einer extrem schwierigen Entscheidung. Nach langem Überlegen callte er. Chidwick zeigte seinen Bluff und Foxen gewann den Pot von 1.394.000 Chips. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein brillantes Read und ein meisterhafter Call. Doch aus Sicht der Game Theory Optimal (GTO) ist die Sache nicht so eindeutig. Gegen einen perfekt balancierten Range mit einer River-Bet von 153% des Pots muss Foxen etwa 40% seines Ranges verteidigen, um dem Gegner keine automatischen Gewinne durch Bluffs zu ermöglichen. Der GTO Wizard Solver foldet in dieser Situation 64,4% von Foxens Range, was sogar mehr ist als die minimale Verteidigungsfrequenz. Dabei wird A♥5♥ fast immer gefoldet. Der Solver erlaubt nur in seltenen Fällen einen Call mit dieser Hand, insgesamt verliert der Call jedoch deutlich mehr erwarteten Wert als ein Fold. Genau hier liegt eine der interessantesten Lektionen dieser Hand: Die Stärke der eigenen Hand ist nicht das einzige Kriterium für einen Call am River. Warum schwächere Fünfen bessere Call-Kandidaten sind Es mag seltsam erscheinen, dass A♥5♥ gefoldet werden soll, während einige schwächere Fünfen wie 5♠4♠ oder 6♠5♠ als Call in Frage kommen. Der Schlüssel liegt im Konzept der "Blocker". Hände wie 5♠4♠ und 6♠5♠ sind objektiv schwächer, enthalten aber kein Ass. Das ist wichtig, weil sie keine natürlichen Ace-High-Bluffs von Chidwick blockieren. Wenn Foxen ein Ass hält, reduziert er die Anzahl möglicher Bluffs mit Ass bei Chidwick, was den Call weniger profitabel macht. Wenn man einer riesigen, polarisierten Bet am River gegenübersteht, ist manchmal weniger die Handstärke entscheidend, sondern vielmehr, welche Bluff-Kombinationen man beim Gegner blockiert. Das erinnert daran, dass ein Hero-Call nicht nur eine Frage der eigenen Handstärke ist, sondern auch der Analyse, welche Hände man aus dem gegnerischen Range "entfernt". Theorie vs. Praxis: Warum Foxens Entscheidung am Tisch funktioniert, aber nicht im Solver In dieser Hand entsprachen fast alle Entscheidungen der Spieler bis zum River der theoretisch optimalen Strategie. Chidwicks Preflop-Call, Foxens Flop-Contibet, Chidwicks Call am Flop und der Check am Turn – all das wird vom Solver befürwortet. Sogar Chidwicks riesiger Bluff am River ist logisch begründet: Auch wenn ein Check etwas mehr EV bringt, ist, wenn schon geblufft wird, die Overbet von 153% des Pots laut Solver die beste Option. Nur Foxens Call mit A♥5♥ weicht von der Theorie ab. Gegen einen perfekt balancierten Gegner ist dieser Call negativ. Doch am echten Tisch, gegen einen konkreten Gegner in einer bestimmten Situation, fand Foxen einen Grund für diese unkonventionelle Entscheidung – und lag damit richtig. Zusammenfassung der Hand: Turnier: $250.000 Super High Roller, WSOP 2026 Tag: 1 Blinds: 6.000/12.000 (12.000 Ante) Spieler: Stephen Chidwick (A♣10♣, 2.500.000), Alex Foxen (A♥5♥, 2.100.000) Preflop: Chidwick Raise 28.000 (Hijack), Foxen 3-Bet 100.000 (Cutoff), Chidwick Call Flop: K♦Q♦5♠ (Check, Bet 57.000, Call) Turn: Q♣ (Check-Check) River: 7♥ (Bet 525.000, Call) Pot: 1.394.000 Gewinner: Alex Foxen (zwei Paare: Damen und Fünfen) Was das für Spieler in PPPoker Clubs bedeutet Für Mitglieder der PPPoker Clubs ist diese Hand ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, nicht nur die Grundlagen der Game Theory Optimal (GTO) zu kennen, sondern sie auch flexibel und situationsabhängig anzuwenden. Selbst die besten Spieler der Welt wie Alex Foxen und Stephen Chidwick folgen nicht immer buchstabengetreu den Solver-Empfehlungen – und manchmal ist genau das der Schlüssel zum Erfolg. Praktischer Tipp: Wenn du in PPPoker Clubs spielst, analysiere nicht nur die Stärke deiner eigenen Hand, sondern auch, welche Bluff-Kombinationen du beim Gegner blockierst. Das ist besonders wichtig gegen aggressive Gegner, die zu großen Overbets am River fähig sind. Scheue dich nicht vor schwierigen Calls, wenn du gute Gründe hast zu glauben, dass der gegnerische Range blufflastig ist – aber denke daran, dass langfristige Abweichungen von GTO bewusst und durch Beobachtungen gestützt sein sollten. Beobachte außerdem, wie Top-Profis Theorie und Praxis kombinieren. Studiere Hände wie diese, um deine Entscheidungsfindung in schwierigen Situationen zu verbessern. Das wird dir helfen, dein Spielniveau in den PPPoker Clubs zu steigern und langfristig bessere Ergebnisse zu erzielen.