Paradigmenwechsel: Sollte man Pokerturniere früher beginnen?
Die Poker-Community diskutiert die Idee eines früheren Starts von Live-Turnieren. Bekannte Profis teilen ihre Meinungen zu den Vor- und Nachteilen der Neuerung.
In den letzten Tagen ist in der Pokergemeinschaft eine Diskussion über einen möglichen „Paradigmenwechsel“ bei den Zeitplänen von Live-Turnieren entbrannt. Zwei bekannte Profis – PokerStars-Botschafter Jason Koon und WSOP-Bracelet-Gewinner 2025 Seth Davies – haben sich öffentlich für frühere Turnierstarts und kürzere Spielsessions ausgesprochen. Ihre Meinung wurde auch von anderen namhaften Spielern unterstützt, wobei es auch einige gab, die Zweifel äußerten. In diesem Artikel analysieren wir ausführlich das Thema, geben die Meinungen der Beteiligten wieder und betrachten, welche Schlüsse PPPoker-Clubspieler daraus ziehen können. Initiative: Warum frühere Turnierstarts sinnvoll sind Seth Davies, dessen Gesamtgewinne bei Live-Turnieren laut The Hendon Mob 44,5 Millionen Dollar betragen, brachte das Thema zuerst im sozialen Netzwerk X zur Sprache. Er wies darauf hin, dass der übliche Turnierbeginn um 12:00, 13:00 oder sogar 14:00 zu langen Sessions führt, die tief in die Nacht reichen. Nach Davies’ Meinung ist das sowohl für Profis als auch für Amateure unpraktisch. Er schlug vor, Turniere bereits um 10:00 Uhr morgens zu starten, damit sie zu einer vernünftigen Zeit enden. Im Falle eines frühen Ausscheidens hätten die Spieler dann den Abend für andere Aktivitäten frei. Davies schrieb: „Die Branche sollte schon längst ihren Ansatz zur Startzeit von Turnieren ändern. Fast niemand spielt gerne bis spät in die Nacht – weder Profis noch Amateure. Lasst uns um 10 Uhr morgens beginnen und früher fertig sein. Wer früh ausscheidet, hat den Abend frei.“ Jason Koon unterstützt die Idee und erweitert die Argumentation Jason Koon, PokerStars-Botschafter und einer der einflussreichsten Highroller, unterstützte Davies’ Position und ergänzte, dass frühere Starts und kürzere Sessions nicht nur den Spielern, sondern auch dem Casino-Personal zugutekommen. Koon betonte, dass späte Turnierende sich negativ auf den Schlaf und die allgemeine Gesundheit aller Beteiligten auswirken. Er merkte an, dass viele große Turniere, insbesondere Multi-Table-Turniere mit vielen Teilnehmern, mittags oder später starten und bis 3 Uhr morgens dauern. Als positives Beispiel nannte Koon das Main Event der PokerStars North American Poker Tour (NAPT), bei dem die Sessions kürzer sind und die Spieler nicht bis zum Morgen im Casino bleiben müssen. Allerdings sei ein solcher Ansatz auf der Pokerszene bislang selten. Koon ergänzte außerdem: „Freizeitspieler mit einem normalen Leben bis tief in die Nacht spielen zu lassen, ist eine große Hürde für eine breite Teilnahme.“ Meinungen anderer Profis: Vorteile und Bedenken Auch andere bekannte Spieler beteiligten sich an der Diskussion. Jeremy Ausmus, sechsmaliger WSOP-Bracelet-Gewinner und ständiger Kandidat für die Poker Hall of Fame, äußerte die Befürchtung, dass ein zu früher Start – etwa um 10 Uhr – einen Teil des Publikums abschrecken könnte. Ausmus schlug als Kompromiss einen Start um 11:00 Uhr vor. Martin Jacobson, WSOP Main Event Champion 2014, äußerte eine noch radikalere Meinung: Seiner Ansicht nach wäre es optimal, Tag 1 um 9 Uhr zu beginnen, die Session um 19:00 Uhr zu beenden und am nächsten Tag um 10:00 Uhr fortzusetzen. Davies nannte einen solchen Zeitplan einen „Traumplan“. Andy Bloch, ehemaliger Full Tilt Poker-Profi, erinnerte daran, dass Turniere bei der WSOP früher um 12:00 Uhr begannen, weil dies als frühestmögliche akzeptable Zeit für Pokerspieler galt. Damals gab es keine späte Registrierung und die Strukturen waren schnell, sodass die Geldränge kurz nach dem Abendessen erreicht wurden. Faraz Jaka, Profi und Gründer von Jaka Coaching, wies darauf hin, dass lange Spielsessions sehr ermüdend sind und die Lebensqualität der Spieler beeinträchtigen. Katie Stone, Mitbegründerin von USA Chess, hatte bereits im April das Thema der Sessionlänge angesprochen. Als Reaktion auf Koons Tweet schrieb Jacki Burkhart, dass es ihr selbst im Urlaub schwerfällt, um 00:45 Uhr noch konzentriert zu bleiben, wenn in Turnieren meist die wichtigsten Entscheidungen anstehen. Sie ergänzte, dass bei einem normalen Arbeitsrhythmus (von 7:00 bis 18:00 Uhr, 3-4 Tage pro Woche) späte Turnierende besonders belastend sind. Zu den weiteren Befürwortern von kürzeren Sessions und früheren Starts zählen bekannte Spieler wie Andrew Moreno, Phil Galfond und Dan Shak. Das Thema wurde auch in der aktuellen Folge des PokerNews-Podcasts (ab 11:09) diskutiert. Kontext: Wie moderne Live-Turniere ablaufen Bei den meisten großen Offline-Serien wie der WSOP beginnen die Turniere nicht vor Mittag. Aufgrund der großen Felder und langsamen Strukturen dauern die Spieltage oft bis tief in die Nacht. Für Profis bedeutet das viele Stunden am Tisch, für Amateure die Notwendigkeit, Abendpläne oder sogar Schlaf zu opfern. Bei einigen Serien, etwa der PokerStars NAPT, wird bereits mit kürzeren Sessions experimentiert, aber das ist bislang eher die Ausnahme als die Regel. Das Format von Multi-Table-Turnieren (MTT) sieht vor, dass alle Spieler mit gleichen Stacks starten und so lange spielen, bis ein Sieger feststeht. Bei großen Events mit Tausenden Teilnehmern kann ein Tag 10-12 Stunden mit kurzen Pausen dauern. Die späte Registrierung (late reg) ermöglicht es, noch nach mehreren Levels einzusteigen, was manchmal „Nachteulen“ hilft, das Problem der späten Turnierende aber insgesamt nicht löst. Tabelle der Meinungen der Diskussionsteilnehmer Seth Davies: Für einen Turnierstart um 10:00 Uhr, um Sessions früher zu beenden und den Spielern mehr Freizeit zu geben. Jason Koon: Unterstützt frühere Starts, betont den Nutzen für Spieler und Personal sowie die negativen Auswirkungen später Turnierende auf die Gesundheit. Jeremy Ausmus: Hält 10:00 Uhr für zu früh, schlägt 11:00 Uhr als Kompromiss vor. Martin Jacobson: Schlägt vor, um 9:00 Uhr zu beginnen und um 19:00 Uhr zu beenden, am nächsten Tag ab 10:00 Uhr fortzusetzen. Andy Bloch: Erinnert daran, dass Turniere früher um 12:00 Uhr ohne späte Registrierung und mit schnellen Strukturen begannen. Faraz Jaka: Weist auf die Ermüdung durch lange Sessions und die Verschlechterung der Lebensqualität hin. Katie Stone: Hatte bereits zuvor das Thema der übermäßigen Sessionlänge angesprochen. Jacki Burkhart: Teilt ihre Erfahrung: Selbst im Urlaub ist es schwer, um Mitternacht noch fit zu sein, wenn die Turnierentscheidungen fallen. Andrew Moreno, Phil Galfond, Dan Shak: Unterstützen die Idee von kürzeren Sessions und früheren Starts. Gründe und Folgen: Warum das Thema so wichtig ist Die Diskussion um Turnierzeitpläne betrifft sowohl Profis als auch Amateure. Für Erstere geht es um physische und psychische Gesundheit und die Möglichkeit, während einer Serie in Topform zu bleiben. Für Letztere ist es die Frage, Poker mit Arbeit und Familienleben zu vereinbaren. Auch die Turnierveranstalter sind daran interessiert, die Events für ein breites Publikum attraktiv zu machen, denn späte Turnierende können potenzielle Teilnehmer abschrecken. Wie Koon und Davies betonen, wirken sich späte Sessions negativ auf Schlaf und Wohlbefinden aus und erschweren auch die Arbeit des Casino-Personals. Andererseits können zu frühe Starts für manche Spieler, insbesondere für diejenigen, die keinen Morgenrhythmus gewohnt sind, unpraktisch sein. Die optimale Lösung, so die meisten Diskussionsteilnehmer, ist ein Ausgleich zwischen Sessionlänge und Startzeit – eventuell durch Experimente mit den Zeitplänen verschiedener Serien. Was das für PPPoker-Clubspieler bedeutet Für Mitglieder von PPPoker-Clubs ist diese Diskussion ein Anlass, über den eigenen Spielplan nachzudenken. Online-Plattformen bieten im Gegensatz zu Offline-Serien mehr Flexibilität: Man kann Turniere mit passender Startzeit und Dauer wählen. Wer regelmäßig lange Sessions spielt, sollte überlegen, wie sich das auf Wohlbefinden und Ergebnisse auswirkt. Vielleicht ist es sinnvoll, Turniere mit kürzerer Struktur zu bevorzugen oder zu einer für sich angenehmen Zeit zu starten. Auch die Erfahrung der Top-Profis zeigt: Die Spielqualität hängt direkt vom Grad der Ermüdung und Konzentration ab. Selbst wenn man keine Offline-Karriere plant, hilft eine kluge Sessionplanung bei PPPoker, mehr Spaß am Spiel zu haben und bessere Ergebnisse zu erzielen. Pausen und ein gesunder Schlafrhythmus sind wichtig – nicht nur für Profis, sondern auch für Amateure. Schließlich: Wer an der Organisation von Club-Events oder Homegames auf PPPoker beteiligt ist, sollte mit den Turnierzeitplänen experimentieren. Vielleicht ziehen frühere Starts oder kürzere Sessions neue Teilnehmer an und machen das Spiel für alle angenehmer.